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Gewerbliches Kreditgeschäft der Zukunft (GdZ)

Sparkassen können mehr!

Das neue strategische Rahmenwerk GdZ unterstützt Sparkassen dabei, die Digitalisierung des gewerblichen Kreditgeschäfts aktiver zu gestalten.

Ein alltäglicher Vorgang, der praktisch jeden Tag vorkommt: Anton Müller (Anmerkung: der Name ist für dieses Beispiel frei erfunden), Geschäftsführer und Inhaber des gleichnamigen mittelständischen Maschinenbauunternehmens in Baden-Württemberg, plant, seine Produktionshalle zu modernisieren und eine neue CNC-Anlage zu installieren.  Die Investition beläuft sich auf rund drei Millionen Euro. Für die Realisierung benötigt er einen flexiblen, zinsgünstigen Kredit – und wendet sich dafür natürlich an seine Sparkasse. Er ist dort seit vielen Jahren ebenfalls zufriedener Privatkunde und hat gerade erst im Handelsblatt gelesen, dass die App Sparkasse erneut mit Bestnoten ausgezeichnet wurde.
 

Aufgrund seiner langjährigen positiven Erfahrungen als Privatkunde verlässt er sich auch im geschäftlichen Kontext schon lange auf seine Hausbank. Das Firmenkundengeschäft weist im Vergleich zum Privatkundengeschäft jedoch wichtige Unterschiede auf: Es ist komplexer, datenintensiver und risikobehafteter. Gleichzeitig erwarten Unternehmen von ihrer Sparkasse nachvollziehbar eine zunehmend digital unterstützte Beratung sowie eine schnelle und effiziente Verarbeitung ihrer Finanzierungsbedarfe, um wie im genannten Beispiel, zeitnah reagieren zu können.

 

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Katrin Berger Abteilungsdirektorin, Referentin Geschäftsprozessmanagement  Kredit, Firmenkunden BIII – Personalmanagement und Geschäftsorganisation, Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV)

Das wesentliche Ziel des DSGV-Projekts GdZ ist, ein modulares, digitales und
weitgehend automatisiertes Rahmenwerk für das gewerbliche Kreditgeschäft – das Neu- und das Bestandsgeschäft – zu schaffen, das eine durchgängige Omnikanalfähigkeit
sowie schnelle, transparente und medienbruchfreie Kreditentscheidungen und
-bearbeitung ermöglicht. Damit sollen Effizienz und Kundenzufriedenheit gesteigert und die Wettbewerbs- sowie Ertragskraft der Sparkassen langfristig und nachhaltig gesichert werden.

Für jede Sparkasse eine hohe Priorität

Was das anspruchsvolle Firmenkundengeschäft darüber hinaus so bedeutsam und für wirklich jede Sparkasse interessant macht: Im Schnitt trägt es 43 Prozent aller Erträge bei, obwohl das Segment nur fünf Prozent aller Kunden umfasst. Anders gesagt: Hier liegen so lukrative Umsatzerlöse und Erträge, dass es für jede Sparkasse eine hohe Priorität hat.

Die große Mehrheit aller gewerblichen Kunden befindet sich in den Segmenten Geschäftskunden (GSK) und Gewerbekunden (GK) und damit im nicht risikorelevanten Bereich. Weitere Kunden sind Firmenkunden (FK) sowie Unternehmenskunden (UK) mit einem Umsatz zwischen 20 und 250 Mio. Euro. Auch die Anton Müller GmbH aus unserem fiktiven Beispiel gehört zum Segment »UK« – und damit zu einer Zielgruppe, die die Sparkassen aktiver betreuen könnten.

 

Neues Prozessverständnis

Mit dem Ende 2024 gestarteten DSGV-Projekt »Gewerbliches Kreditgeschäft der Zukunft (GdZ)« wird genau dem beschriebenen Spannungsverhältnis Rechnung getragen. Es ist das neue strategische Rahmenwerk, das die Sparkassen dabei unterstützt, die Digitalisierung des gewerblichen Kreditgeschäfts aktiver zu gestalten. Konkret bedeutet das, vor allem typische Standardfälle zu digitalisieren und zu entlasten, um den Beratenden in den Sparkassen mehr Zeit für komplexe
und anspruchsvolle Fälle zu verschaffen. 

Das ergab ein strategisches Zielbild, welches Maßnahmen aus übergreifenden Themen sowie für das Neu- und Bestandsgeschäft formulierte. Aus der Aggregation von insgesamt 56 Maßnahmen sind Bündel (»Handlungsfelder«) entstanden, von denen jedes einen echten Mehrwert bringen wird.

 

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Björn Matthes Leiter Prozessmanagement Aktiv, Ostsächsische Sparkasse Dresden (OSD)

Im Projekt GdZ denken wir das komplette gewerbliche Kreditgeschäft neu. Vom Neuantrag bis zur Bestandsänderung hinterfragen wir sämtliche Abläufe mit dem Ziel, unsere Kundenorientierung und Effizienz weiter zu steigern. Gerade für die OSD verbinden wir damit die gestiegenen Anforderungen im Individualsegment als Metropolsparkasse mit den Herausforderungen im klassischen Mittelstandsgeschäft einer Flächensparkasse.

 

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Domenic Hamer Bereichsleiter Regionale Firmenkundenbetreuung, Vertreter des Vorstands, Sparkasse Vest Recklinghausen

Das Projekt zeigt uns unter anderem auf, was schon heute möglich ist und überführt
das ›IST‹ durch die Kombination des ›Playbook GdZ‹ sowie den ›Schnellbootmaßnahmen‹
in direkt wirksame Handlungsstränge. Es hilft uns, die benötigte Beweglichkeit und Resilienz auszubauen, um den mannigfaltigen Anforderungen gerecht zu werden, die unsere Kundinnen und Kunden sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richtigerweise an uns stellen.

 

Priorisierung in 2026 

Ob unsere Anton Müller GmbH mehrere Monate warten will bzw. kann? Die Frage ist deshalb: Welche Lösungen und Maßnahmen tragen JETZT dazu bei, Kunden wie auch die Sparkassen aktiv zu unterstützen? Sechs, intern auch »Schnellboote« benannt, sind zur Umsetzung in 2026 priorisiert. Sie haben einen direkten Nutzen für Kunde, Markt und Marktfolge im Neugeschäft über alle Kundensegmente hinweg. Die inhaltliche Ausarbeitung der Maßnahmen ist abgeschlossen; sie ist sicher und regelkonform für die Nutzung in der Breite umgesetzt. Jetzt erfolgt die IT-Umsetzung durch die FI bis zum Jahresende. 

Welche der sechs Schnellboote sind für die Anton Müller GmbH als Sparkassen-Kunde besonders interessant? 

Drei Beispiele:

  • Der Bedarf des Kunden steht im Mittelpunkt: Es muss nicht schon vor dem Einstieg in den Prozess ein einzelnes Produkt ausgewählt werden; auch das Erfassen mehrerer Vorhaben in einem Schritt ist möglich.
  • Die Angebotserstellung und -bereitstellung inklusive Vergleich für schnellere Kreditzusagen
    und -abwicklung wird vereinfacht. 
  • Die digitale Bereitstellung und Unterzeichnung der Vertragsunterlagen trägt zu einer deutlichen
    Zeit- und Ressourcenersparnis bei.

Die weiteren Maßnahmen zielen auf Effizienzgewinne durchdie parallele Bearbeitung eines Vorgangs von Markt und Marktfolge sowie auf KI-unterstütztes Auslesen von Bilanzen ab. Alle darüber hinaus gehenden Maßnahmen – sortiert nach Fallzahl und Komplexität – werden in mehreren in sich abgeschlossenen und für sich nutzenstiftenden Paketen zur Umsetzung ab 2027 gebündelt. Zur weiteren IT-Umsetzung dieser Maßnahmen werden fachliche Rahmenbedingungen
in Fokusgruppen erarbeitet, die in Leitfäden einfließen und dann in ein sogenanntes »Playbook GdZ« , eine Art Drehbuch für die weiteren Schritte, überführt werden. 

Ziel ist dabei stets, dass durch die definierten Softwarepakete und ihre Umsetzung jedes Jahr spürbare Mehrwerte für die Kunden und die Sparkassen entstehen. Mit dieser Vorgehensweise wird zugleich die Einführung für die Institute handhabbarer; die Beraterinnen und Berater haben die
Chance, die »neue Welt« Stück für Stück kennenzulernen und damit effizient zu arbeiten.

 

Nutzen für die Sparkassen

  • Höhere Prozessgeschwindigkeiten durch Standards 
  • Entlasten von Ressourcen, insbesondere in der Marktfolge
  • Verbessern der Wettbewerbsposition und steigern des Marktanteils
  • Hohe Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit in der Kundenschnittstelle
  • Sicherstellen regulatorischer Konformität unter Nutzung der Proportionalität
  • Erhöhung der vertriebsaktiven Zeit

 

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Denise Lambracht Geschäftsbereich Betrieb, Fachbereich Prozess- und IT-Management, Sparkassenverband Niedersachsen

Wir schaffen klare, schlanke Prozesse als gemeinsamen Rahmen und lassen gleichzeitig
Raum für regionale oder sparkassenspezifische Besonderheiten. Dabei ist uns wichtig, dass Standardisierung und Digitalisierung nicht zu mehr Distanz führen, sondern gezielt Freiräume schaffen – zum Beispiel für bessere Beratung und ein spürbar verbessertes Kundenerlebnis. Gleichzeitig vereinfachen wir durch Automatisierung insbesondere die Kreditbearbeitung und heben Effizienzpotenziale, die wir für Wachstum und zur Bewältigung des demografischen Wandels nutzen. Die Kundenorientierung bleibt dabei stets im Fokus.

 

Ausblick: Jedes Paket ein konkreter Nutzen!

Digitale End-to-End-Prozesse – vom Antrag, über die Bewertung und Auszahlung – laufen automatisiert, wodurch Bearbeitungszeiten von Wochen auf Tage sinken. Unser Firmeninhaber Anton Müller profitiert von schnelleren Entscheidungen, etwa wenn er zeitnah ein neues Firmenfahrzeug benötigt. 

  • Vorteil Kunde:  In einfachen Fällen erhält er umgehend die
    Zusage und die Verträge. Nach einer elektronischen Unterschrift
    ist das Geld auf dem Konto und er kann sein Projekt
    starten.
     
  • Vorteil Sparkasse: Weitere umfangreiche Pakete für die Folgejahre
    sind bereits in Planung und orientieren sich weiterhin
    an der Maßgabe, die einfachen Fälle möglichst durchgängig
    digital abzubilden und damit Skalierungseffekte durch die
    hohe Anzahl der Vorgänge zu erzielen.

Eine gute Gelegenheit, jetzt die Weichen neu zu stellen, um von Anfang an dabei zu sein und schnell in die Umsetzung zu kommen. Gleichzeitig gilt es, frühzeitig die strategischen, organisatorischen, prozessualen und technischen Voraussetzungen zu schaffen, auf Basis der aktuellen Modellstrategien und -organisation sowie den relevanten gewerblichen OSPlus_neo-Prozessen, um eine reibungslose Umsetzung der Pakete in den Sparkassen zu gewährleisten. 

In Anlehnung eines Slogans eines Verbands familiengeprägter Mittelständler aus dem Schwarzwald könnte es deshalb schon bald kürzer und prägnanter heißen: »Sparkassen können mehr!«.