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Moonshot unter der Erde – oder Transrapid 2.0?

Ramges Radar: Ist der Hyperloop nur ein Hype?

Passagierkapseln, die mit mehr als 600 km/h durch luftleere Röhren rasen, schwebend und fast reibungsfrei. Die Idee von der Rohrpost für Menschen gewinnt in Europa gerade mächtig an Fahrt.

Ramges Radar: Ist der Hyperloop nur ein Hype?

Hamburg und Kiel wollen mit einer 90-Kilometer-Röhre Olympia-Bewerber werden. Im März 2024 wurde in den Niederlanden das European Hyperloop Center eröffnet, in Polen testet Nevomo Magnetschwebe auf konventionellen Gleisen – eine Brückentechnologie, die später auch in Hyperloop-Röhren funktionieren soll.

Während Europa also ein beeindruckendes Ökosystem aufbaut, kehrt in den USA – Heimatland des Technik-Optimismus – gerade Ernüchterung ein. Virgin Hyperloop One, mit über 450 Millionen Dollar finanziert, stellte Ende 2023 den Betrieb ein. Die Teststrecke in Nevada wird verkauft. Das Unternehmen hatte sich bereits vom Personentransport verabschiedet – dem Kernversprechen der Technologie. Selbst Elon Musk, der das Konzept 2013 vorstellte, investiert nicht mehr. Seine Boring Company scheint ihm langsam zu langweilig.

Die Frage ist: Haben die Europäer etwas verstanden, das die Amerikaner übersehen? Oder versenken wir jetzt viele Milliarden auf Grundlage naiver Annahmen?

Die fundamentalen Probleme bleiben

Ein stabiles Teilvakuum über Dutzende Kilometer zu halten, ist physikalisch anspruchsvoll. Die 420-Meter-Teststrecke in den Niederlanden ist eine Sache. Die 90 Kilometer von Hamburg nach Kiel wären schon eine ganz andere Größenordnung. Hübsche Bilder sind mit KI schnell generiert. Doch wer bohrt den Tunnel zu welchen Kosten? Wie evakuiert man Passagiere aus einer luftleeren Röhre? Was passiert bei Bränden, Stromausfällen, Sensorfehlern? Wie funktioniert Levitationstechnik bei 600 km/h absolut zuverlässig? Diese Fragen sind nicht akademisch, sie sind existenziell – und bis heute ohne überzeugende Antworten.

Auch wirtschaftlich bleibt der Hyperloop eine Wette mit schlechten Quoten. Für Hamburg-Kiel werden 10 bis 15 Milliarden Euro genannt. Gleichzeitig wird die Konkurrenz besser: Flugzeuge werden klimafreundlicher, Nachtzüge erleben eine Renaissance, Hochgeschwindigkeitszüge erreichen heute ohne Probleme 300 km/h auf bewährter Technologie, 400 sind technisch im Massenbetrieb möglich. Der Hyperloop müsste nicht nur funktionieren, er müsste eindeutig überlegen sein.

Moonshot unter der Erde – oder Transrapid 2.0?

Und zugleich ist ebenfalls offenkundig: Wenn der Hyperloop funktioniert, wäre es ein Moonshot. Nur eben unter der Erde statt im All. Eine Technologie, die Mobilität revolutionieren könnte. Die Europa im globalen Innovationswettbewerb positionieren würde. Und das Ziel wäre natürlich nicht eine Mittelstrecke von 90km, sondern Berlin-Köln oder Hamburg München in ein bis zwei Stunden. Wer nicht wagt, kann nicht gewinnen.

Aber die Gefahr ist real. Das Projekt könnte dort landen, wo der Transrapid endete: als brillante Ingenieursidee mit großem Prestige, gigantischen Kosten und ohne nachhaltigen Betrieb. Eine Teststrecke, ein paar Konferenzen, eine Museumsattraktion. Scheitern wird diesmal noch teurer – nicht nur finanziell, sondern auch an Glaubwürdigkeit. Ich bin Technikoptimist. In diesem Fall bin ich skeptisch. Ein unterirdischer Moonshot wäre großartig. Aber die Gefahr ist hoch: Europa baut gerade mal wieder für viel Geld ein Technikmuseum. 

Ramges Radar: KI-Revolution und Volkswirtschaft

Unternehmensberater versprechen bekanntlich gerne viel. Das ist auch bei der Wirkung von KI so. McKinsey rechnet vor, dass generative KI die weltweite Arbeitsproduktivität um einen Prozentpunkt pro Jahr erhöhen wird – zusätzlich zum allgemeinen Produktivitätswachstum.