S-Flagship München

Stillstand heißt Rückschritt

Seit Anfang 2020 gibt es im Herzen der Stadt eine weitere Attraktion, die besonders für Sparkassen und ihre Kunden interessant sein dürfte: das »S-Flagship« der Stadtsparkasse München (SSKM).

In unmittelbarer Nähe des Marienplatzes liegt die Hauptstelle der größten Sparkasse Bayerns. Bereits vor über zweieinhalb Jahren hat das Institut diese zentrale Lage genutzt, um ganz neue Wege zu gehen. Mit einem »Digital-Center« für Kunden wie Mitarbeiter sollte die Digitalisierung ganz praktisch erlebbar und ein Stück weit auch begreifbar werden. Stationen wie die »Mittagsstation«, Pepper, die Videoberatung sowie Veranstaltungen wie der »DigiTalk«, der »Start-up Circle« und viele E-Sport-Events lockten zahlreiche Besucher nach München – darunter etliche aus Sparkassen wie auch der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe.

 

Es geht weiter

Dr. Bernd Hochberger

Mitglied des Vorstands der

Stadtsparkasse München

Dennoch war für die Münchner klar, dass sie das Konzept weiterentwickeln mussten – zweieinhalb Jahre später war es soweit. Und nebenbei bemerkt,

gerade die Veränderung ist eines der wesentlichen Merkmale der Digitalisierung. Prozessoren und digitale Geräte werden leistungsfähiger. Vorlieben und Verhaltensweisen ändern sich dagegen langsamer, dafür aber um so nachhaltiger. »In der immer schneller werdenden Welt heißt Stillstand gleich Rückschritt. Deswegen haben wir unser Digital-Center zum Digital-Center 2.0 weiterentwickelt und ihm einen neuen Namen gegeben: das S-Flagship München«, erklärt Dr. Bernd Hochberger, Vorstand der Stadtsparkasse München. Das bisherige Digital-Center wurde physisch umgebaut und komplett neugestaltet. »Wir haben auch die Story weiterentwickelt: Ab sofort stehen sowohl das digitale Kundenerlebnis im stationären Vertrieb mit Überleitung in unsere digitalen Kanäle im Vordergrund als auch der digitale Arbeitsalltag unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter«, betont Dr. Bernd Hochberger.

 

Weiterentwicklung zum S-Flagship

Jasmin Ghubbar-Mohamed

Bereichsleiterin Digitale Lösungen,

Stadtsparkasse München

Was heißt das konkret? Im ersten Digital-Center gab es eine Ausstellung mit mehreren Stationen und sogenannten »Klickdummys«: Anwendungen, die vor Ort ausprobiert werden konnten, jedoch ohne Anbindung an die reale Infrastruktur der Stadtsparkasse. Das neue Konzept des S-Flagships geht nun einen völlig anderen Weg. Ziel war die Gestaltung eines Showrooms mit realer Kundenbedienung als Dauerausstellung. Frei übersetzt bedeutet dies, dass aktuelle Trends nicht allein präsentiert, sondern wo immer möglich auch im tatsächlichen Beratungsgespräch eingesetzt und damit im Echtbetrieb präsentiert werden. Das gilt zum Beispiel für neue Lösungen aus dem Bereich SB und bei OSPlus_neo, aber auch für Produkte weiterer Partner. Kunden erhalten durch eigens geschulte DigiCoaches und Floormanager ein sogenanntes »Onboarding« zur Information und zur Nutzung aller gezeigten digitalen Lösungen. »Jetzt haben wir einen Showroom mit echter Kundenbedienung. Dabei sind die Mitarbeiter-iPads eine große Hilfe. Denn darauf können wir die vielseitigen digitalen Anwendungen im Echtbetrieb nutzen«, sagt Jasmin Ghubbar-Mohamed, Bereichsleiterin Digitale Lösungen bei der Stadtsparkasse München, mit Blick auf die neuen Arbeitsmöglichkeiten.

Über

Die Ausstattung mit gemütlichen Sitzecken, Rückzugsmöglichkeiten und vielen Bildschirmen prägen die Optik des S-Flagship.

bereitgestellte Monitore besteht mittels Apple-TV-Box die Möglichkeit, dem Kunden passende Inhalte zu zeigen. Egal, ob es um eine neue App, eine neue Funktion in der Internet-Filiale oder das Live-Testen der Videoberatung geht. Dass das neue Konzept offen für neue Ideen ist, zeigt auch der eigens für junge Start-ups reservierte Bereich, die dort kostenlos ihre Produkte und Dienstleistungen vorstellen können.

 

Mehr als ein Showroom

»Zusätzlich zum Showroom mit dem digitalen Erlebnis für Mitarbeiter und Kunden wollen wir frühzeitig unsere digitalen Produkte testen. Unser Ziel ist es, viel mehr direktes Kunden-Feedback einzufordern und in unsere Planungen zur Digitalisierung zu überführen«, beschreibt Dr. Bernd Hochberger das ambitionierte Ziel des S-Flagships. Dieses ist zugleich nur ein Teil der weit umfassenderen Kooperation mit Partnern inner- und außerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe.

Davon profitieren soll auch zukünftig das Prototyping, also das Erproben innovativer Prozesse im Echtbetrieb, mit echten Kunden – direkt im S-Flagship der Hauptstelle. Der große Vorteil: Kunden-Feedback kann bereits in ganz unterschiedlichen Entwicklungsstadien abgefragt werden. Mit dieser fortlaufenden Validierung auch von Zwischenergebnissen wird die frühzeitige Optimierung des Produkts auf den tatsächlichen Kundenbedarf möglich. Idealerweise kann so die eine oder andere Nachbesserung zeit- und kostensparend entfallen.

Eine ebenfalls wichtige Rolle im S-Flagship-Konzept spielt das Networking innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe. Im engen Austausch zwischen Sparkasse und IT-Spezialisten der Finanz Informatik, sollen zukünftig gemeinsame Themen weiterentwickelt werden. Ein Beispiel dafür ist der Einsatz neuer Technologien wie etwa die Kopplung der zentralen Conversational Application Platform (siehe ITmagazin 1/2020 ) mit dem Roboter »Pepper«. Mit der Verzahnung interner wie externer Spezialisten besteht die große Chance, eine gemeinsame Plattform zu schaffen, die bestehende Insellösungen bündelt und einen Modellcharakter auch für andere Sparkassen entwickelt. »Im Rahmen der Weiterentwicklung ist es uns gelungen, unsere zwei wesentlichen Dienstleister FI und die DSV-Gruppe als feste Kooperationspartner zu gewinnen. Für unser Haus ist diese Kooperation ein großer Mehrwert«, betont Dr. Bernd Hochberger.

  

Wofür steht S-Flagship?

Der Name »S-Flagship« lehnt sich bewusst an die Tradition großer Marken an, die seit den 2000er-Jahren damit begannen, große oder mit exklusiven Merkmalen ausgestattete Filialen als Vorzeigeobjekte bzw. als »Flaggschiff« zu vermarkten. Die Bezeichnung »Flaggschiff« stammt aus der Marine, die damit das Führungsschiff der gesamten Flotte bezeichnet. Häufig werden derartige Läden auch als Experimentierfeld, etwa zum Testen neuer Verkaufskonzepte, genutzt. Mit einer aufwändigen Gestaltung und anderen besonderen Maßnahmen soll in einem Flagship-Store zudem die Marke für den Kunden »erlebbar« werden.